Day 389-390
Apparently the most dangerous city in one of the most dangerous countries. And why are we here again?
Just joking. Though we’re well aware that we have to be very careful. The murder rate in El Salvador is disturbingly high. This march it reached its 12 year peak of 481 murders, that’s an average of 16 murdered people per day! That’s totally insane! But it’s not like people run around the streets shooting other people all the time. Most of these incidents are related to gang activity and take place in certain areas in the biger cities. The gang territories are well known and are to be steered clear of. So it’s relatively „easy“ to stay away from it by just not going to these cities. But even in San Salvador with our private guide Gabriel we feel safe enough because he knows where the gang territories are. So everything should be fine.
There are two major rival gangs in El Salvador that are giving each other a pretty hard time. The MS13 which stands for Mara Salvatrucha, and the M18, the 18th street gang. Both of them operate throughout the americas and are among the most organised gangs worldwide. To become a member aspirants go through an incredible initiation ritual. Candidates from as young as 14 years have to take a brutal beating by a group of members and if they survive it they must kill a person, not seldom a friend or family member. It’s a lifetime membership (which oftentimes is rather short) that guarantees safety, a tight brotherhood but also material benefits like TVs or mobile phones. Even little boys are incorporated into the organisation and start collecting protection money from households and shop owners at a very young age.
But as we were told by several people El Salvador has not always been this violent and it’s quite interesting to look at where it all came from. During the civil war in El Salvador (and other latin american countries) many people fled to the USA, legally and illegally so. In Los Angeles immigrants came in contact with well established gangs and in need to protect themselves from them established the MS13 (mainly Salvadorians). The M18 was formed by a mix of latino immigrants who initially wanted to join one of the established gangs but were denied because members had to be mexican. The M18 grew rapidly from then on as they accepted all nationalities.
In the 1990 the US government started to pursue a zero-tolerance-policy towards immigrants and deported them immediately to their home countries after committing any kind of offence. During that time thousands of latin american gang members returned to their countries and either joined existing organisations or built up a „branch“ of their american gang. Right after the salvadorian civil war ended, when especially young people had little perspectives they planted the seeds in fertile ground. Today the number of gang members are estimated to be around 100.000 -150.000 people. Their „business field“ is in drugs, prostitution, human trafficking, arms trade and so on. And of course protection money. Even the government pays considerable monthly „fees“ to keep La Libertad non-violent. The region is most popular with tourists for its beaches and surf (that’s were we just were).
On our way to San Salvador Gabriel took us to the volcano Ilopango just outside the city where we could ride our bikes all the way up to the crater rim. Pretty amazing. Riding into town we went straight to Gabriels house in a safe area, parked the bikes in the big yard and from then on only moved around in the family car. We only walked around for some sightseeing once in the historic center of the city. Though I have to admit I didn’t really enjoy it. Once you heard so many bad things about a place and a part of its people it’s hard to maintain a neutral view. I found myself all the time wondering wether this or that person was a gang member, had killed someone and is about to assault or shoot us. There was lots of garbage and many drunk people lying in the park and archways in the center. And the streets had a dreary feeling to them.
The city center itself was pretty quite for a capitol city, maybe because it was Sunday. Though the next day we read in the newspaper that there was a demonstration marching into the church we wanted to visit (it was closed) and was ended violently. Not that quite after all.
We enjoyed our time with Gabriel’s family very much but were also happy to get into the province again. Next stop: Santa Ana.
Joey
Tag 389-390
Die offenbar gefährlichste Stadt in einem der gefährlichsten Länder der Welt. Und warum sind wir nochmal hier?
Ist nur Spaß, aber wir sind uns schon bewusst, dass wir hier sehr aufpassen müssen. Die Mordrate in El Salvador ist erschreckend hoch. Im März diesen Jahres hat sie ihr 12-Jahreshoch von 481 Morden erreicht. Das sind durchschnittlich 16 umgebrachte Menschen pro Tag! Das ist der absolute Irrsinn! Aber es ist jetzt auch nicht so, dass die Leute hier die ganze Zeit durch die Straßen rennen und Leute abknallen. Die meisten dieser Fälle stehen in Zusammenhang mit Banden-Aktivitäten die sich in den größeren Städten abspielen. Die Gang-Territorien sind allseits bekannt und man sollte einen großen Bogen um sie machen. Es ist also relativ „leicht“ sich da rauszuhalten in dem man einfach die größeren Städte vermeidet. Aber auch in San Salvador fühlen wir uns mit unserem privaten Guide Gabriel recht sicher. Er kennt die Gegenden die man vermeiden muss und somit sollten wir keine Probleme haben.
In El Salvador gibts zwei große rivalisierende Gangs die sich gegenseitig das Leben schwer machen. Die MS13, was für Mara Salvatrucha steht und die M18, die 18th Street Gang. Beide operieren in ganz Amerika und gehören zu den best organisiertesten Banden der Welt. Um bei ihnen Mitglied zu werden muss ein Anwärter ein unglaubliches Aufnahmeritual über sich ergehen lassen. Ein Aspirant der mindestens 14 Jahre alt ist muss eine brutale Prügel von einer Gruppe Mitglieder einstecken. Wenn er das überlebt, muss er einen Menschen umbringen, nicht selten sogar einen Freund oder ein Familienmitglied. Die Mitgliedschaft ist lebenslänglich (was häufig eher kurz ausfällt) und garantiert Sicherheit, eine enge Bruderschaft und auch materielle Vorzüge wie zum Beispiel einen Fernseher oder ein Handy. Sogar kleine Jungs werden in die Organisation inkorporiert und fangen schon in sehr jungem Alter an Schutzgelder von Läden und Haushalten einzusammeln.
Aber El Salvador war nicht immer so gewaltvoll wie uns verschiedene Leute berichtet haben und es ist ziemlich interessant sich mal anzuschauen wo das alles herkam.
Während des Bürgerkriegs in El Salvador (und anderen lateinamerikanischen Ländern) sind viele Menschen legal und illegal in die USA geflüchtet. In Los Angeles sind die Immigranten auf bereits etablierte Gangs gestoßen und aus dem Bedürfnis heraus sich vor ihnen zu schützen gründete sich die MS13 (hauptsächlich Salvadorianer). Die M18 formierte sich aus einem Mix aus lateinamerikanischen Immigranten die sich ursprünglich einer bereits bestehenden Gang anschließen wollten, die jedoch nur Mexikaner akzeptierte. Die M18 nahm Anwärter aller Nationalitäten auf und verbuchte daher von Anfang ein ein rapides Wachstum.
In den 90er Jahren begann die US Regierung eine Null-Toleranz-Politik zu verfolgen und Immigranten wurden nach Begehen irgendeiner Straftat sofort in ihre Herkunftsländer abgeschoben. Zu dieser Zeit kehrten Tausende lateinamerikanische Gangmitglieder in ihre jeweiligen Heimatländer zurück. Dort schlossen sie sich entweder bestehenden Organisationen an oder gründeten „Niederlassungen“ ihrer amerikanischen Gangs. Kurz nach dem Ende des salvadorianischen Bürgerkriegs als vor allem junge Menschen kaum Perspektiven hatten trafen sie auf ziemlich fruchtbaren Boden. Heute wird die Zahl der Bandenmitglieder auf 100.000-150.000 Leute geschätzt. Ihr „Geschäftsfeld“ reicht von Prostitution bis Drogen-, Waffen- und Menschenhandel. Und eben Schutzgelder. Sogar die Regierung zahlt brav beträchtliche monatliche Summen um die bei Bade- und Surftouristen beliebte Region La Libertad (wo wir gerade waren) gewaltfrei zu halten.
Auf dem Weg nach San Salvador hat uns Gabriel zum Ilopango Vulkan gebracht, der ganz in der Nähe der Stadt ist. Wir konnten mit den Motorrädern bis ganz hoch zum Kraterrand fahren. Ziemlich cool. Als wir dann in die Stadt rein kamen fuhren wir direkt zu Gabriels Haus, dass sich in einer sicheren Nachbarschaft befindet. Dort haben wir die Motorräder im großen Innenhof geparkt und uns nur noch mit dem Familienauto fortbewegt. Einmal sind wir ein bisschen im historischen Zentrum durch die Gegend gelaufen um uns ein paar Sehenswürdigkeiten anzuschauen. Aber ich muss sagen, dass ich das nicht besonders geniessen konnten. Wenn man erstmal so viele schlechte Dinge über einen Ort und einen Teil seiner Bewohner gehört hat, ist es irgendwie schwierig sich noch eine neutrale Sichtweise zu erhalten. Ich hab mich immer wieder dabei ertappt, wie ich mich fragte ob diese oder jene Person wohl ein Gangmitglied ist, jemanden umgebracht hat und uns gleich überfallen oder erschießen wird. Es war auch ziemlich dreckig überall und es lagen viele betrunkene Menschen im Park und in den Bogengängen im Zentrum. Irgendwie hatte alles einen ziemlich tristen Beigeschmack.
Das Zentrum an sich war eher ruhig für eine Hauptstadt, lag vielleicht auch daran, dass Sonntag war. Obwohl wir dann am nächsten Tag in der Zeitung lesen konnten, dass eine Demonstration in die Kirche die wir besuchen wollten (sie war geschlossen) einmarschiert war und gewaltvoll beendet wurde. Also doch nicht so ruhig.
Wir haben die Zeit bei Gabriels Familie sehr genossen, aber dennoch sind wir ganz froh nun wieder in die Provinz zu fahren. Nächster Stop: Santa Ana.
Joey












