Day 315
Before December 17th 2014, when Obama and Raúl Castro announced to take up diplomatic talks again, we heard little about Cuba in the outside world. Most information was related to the US-boycott and the terrible economic situation. So a general assumption is, that people in Cuba are not happy and want to leave their home rather today than tomorrow, like many indeed have done. During our visit we’ve come across many people who’d rather live in the United States or Europe, preferably in Spain due to their Spanish descent. But we have also met a whole lot of people who think Cuba is a great country, despite the problems there are and love living there.
One of them was Antonio, who we met while looking for a casa particular and got a chance to talk to for several hours. All his children and grandchildren live in the US and he visits them regularly. Even though he is sad to not have them around all the time, he would never consider leaving Cuba. He knows very well what it is worth living in a community where people actually care about each other. Where people live together rather than alongside, where people value having time and don’t chase the bigger TV set, the new car or other status symbols. A society where everything is built to last and things that break are being repaired instead of replaced. Where there is a mutual need to help each other out with material things, skills and services. One time an old lady walking next to me on the sidewalk stopped and said to me: „my chest hurts“ and I didn’t really know what she meant. But instantly there were four strangers trying to help the lady. One woman waved down a bus and convinced the driver to take them both to the hospital.
Economically there is for sure a huge potential for improvement but in our opinion Cuba is at the head of the field when it comes to how society functions.
Thanks to the nationwide education programs implemented by Fidel and Che the great majority of the population is well educated. Even in rural areas, usually the most deprived part of a poor country, it’s possible to have conversations with well-informed people. All across the country there are branches of the universities. Also cultural centres where dance, music and other arts are taught to everyone who’s interested. Ticket prices for museums, theatres and movie theatres are cheaper than a bottle of water so nobody is excluded from cultural life.
Same with the highly subsidised health care system that allows everyone to see a good doctor if they need to and receive affordable medication. Though there is a huge problem of importing medicine due to the US embargo.
It’s also amazing to see how such a heterogeneous society with it’s roots reaching back to several countries in Europe, Africa and the Caribbean, exists so peacefully regardless of religion, skin colour or ethnic belonging. At least so it seems.
We asked Antonio what he thinks about Cubans living abroad and how the cuban identity may change in a different society. And he said he has seen it so many times especially with the many cuban-americans in Florida, as soon as the emigrants enter their new home country they completely change their ways and immediately adopt the local values. He said: “You think how you live, and you live how you think”. This is a very interesting aspect considering that sooner or later the embargo will be lifted and free trade will be possible again and with that the frame conditions for cuban society will change drastically.
Antonio and like-minded people express aspiring hopes for their country, when asked about the change that might come very soon with the american and cuban governments taking up diplomatic relations again. They all wish for a better economy with a healthy private sector, an important role of research and development and better housing. A better economic situation that still supports the socialist ideas and ideals, the equality within society and all the social, cultural and medical benefits. Maybe a sort of market socialism. It’s hard to imagine what will happen, I guess only time will tell.
Joey
Tag 315
Vor dem 17. Dezember, als Obama und Raúl Castro die Wiederaufnahme diplomatischer Gespräche ankündigten, hörte man in der Außenwelt wenig von Kuba. Und wenn, dann nur über das US-Embargo und die schwierige wirtschaftliche Situation. Daraus resultiert die allgemeine Annahme, dass es den Kubanern schlecht geht, sie nicht glücklich sind und die meisten ihr Land lieber heute als morgen verlassen würden, wie es tatsächlich ja auch viele getan haben.
Während unseres Besuchs hier haben wir viele Menschen getroffen, die sehr viel lieber in den USA oder Europa (vorzugsweise Spanien wegen ihrer spanischen Abstammung) leben würden. Aber wir haben auch sehr viele getroffen, die der Meinung sind Kuba ist ein fantastisches Land trotz der vorhandenen Probleme und die es lieben dort zu leben.
Einer von denen ist Antonio, den wir bei der Suche nach einer casa particular getroffen haben. Wir haben die Gelegenheit bekommen uns einige Stunden mit ihm zu unterhalten und ihn zu interviewen. Alle seine Kinder und Enkelkinder leben in den USA die er dort regelmäßig besucht. Trotzdem er sehr traurig ist sie nicht in seiner Nähe zu haben, würde er es nie in Erwägung ziehen, seine Heimat zu verlassen. Er weiß ganz genau was es wert ist in einem Land zu leben, wo sich die Menschen tatsächlich noch umeinander kümmern, wo man miteinander lebt, statt neben einander her. Wo Leute es wertschätzen Zeit zu haben und nicht dem größeren Fernseher, dem neuen Auto oder anderen Statussymbolen hinterherrennen. Eine Gesellschaft in der Dinge produziert werden so dass sie ewig halten, und wenn sie kaputt gehen repariert werden, statt sie durch neue zu ersetzen. Eine Gemeinschaft, in der jeder auf die Hilfe und Unterstützung anderer angewiesen ist und dadurch freizügig nicht nur Güter, sondern auch Dienstleistungen und Fähigkeiten ausgetauscht werden. Einmal lief eine alte Dame neben mir auf dem Fußweg, die plötzlich anhielt und sagte: „meine Brust schmerzt“. Ich wußte gar nicht so richtig was sie meinte, aber sofort waren vier völlig fremde Menschen da um ihr zu helfen. Eine Frau hielt einen Bus an und überredete den Fahrer die beiden zum Krankenhaus zu fahren.
Ökonomisch gibt es für Kuba sicher noch viel Potenzial für Verbesserung, aber gesellschaftlich gesehen, macht (unserer Meinung nach) kein anderes Land Kuba etwas vor. Dank der flächendeckenden Bildungsreformen von Fidel und Che ist das Bildungsniveau sehr hoch. Und selbst in ländlichen Gegenden, die am meisten benachteiligten Teile in ärmeren Ländern, trifft man auf gut informierte und gebildete Leute. Im ganzen Land verteilt gibt es unzählige Ableger der Universitäten, in jedem Ort gibt es Kulturzentren wo Tanz, Musik und andere Künste unterrichtet werden. Die Eintrittspreise für Museen, Theater und Kinos sind günstiger als eine Flasche Wasser, sodass niemand von der kulturellen Teilhabe ausgeschlossen wird. Das Gleiche gilt für das hochsubventionierte Gesundheitssystem, das es jedem Kubaner ermöglicht einen guten Arzt aufzusuchen und erschwingliche Medikamente zu erhalten sollte er es benötigen. Problematisch ist allerdings die Verfügbarkeit von Medikamenten die auf Grund des Embargos nicht importiert werden dürfen.
Es ist auch beeindruckend zu sehen, dass eine so extrem heterogene Bevölkerung mit Wurzeln in verschiedenen Ländern Europas, Afrikas und der Karibik, so harmonisch miteinander lebt. Eine soziale Schichtung basierend auf ethnischen und religiösen Unterschieden scheint es nicht zu geben.
Wir haben Antonio gefragt, was er über Kubaner im Ausland denkt und wie sie sich möglicherweise verändern. Er sagte, er hat es oft beobachtet, vor Allem bei den vielen Kubano-Amerikanern in Florida, dass sobald die Emigranten das neue Heimatland betreten ihre kubanische Identität ablegen und die Werte der dortigen Gesellschaft annehmen. Er sagte: ” Man denkt wie man lebt, und man lebt wie man denkt”. Das ist sehr interessant, vor Allem vor dem Hintergrund, dass früher oder später das Embargo aufgehoben werden wird, freier internationaler Handel möglich wird und sich damit die Rahmenbedingungen für die kubanische Gesellschaft drastisch verändern werden.
Wenn man Antonio und Gleichgesinnte nach dem bevorstehenden Wandel fragt, der sich mit der Wiederaufnahme der Beziehungen der US-amerikanischen und kubanischen Regierung ankündigt, hört man immer wieder die gleichen aufstrebenden Hoffnungen.
Sie wünschen sich alle eine gestärkte Wirtschaft, einen gesunden Privatsektor und eine bedeutende Rolle für Forschung und Entwicklung. Eine bessere wirtschaftliche Gesamtsituation, gestützt von den sozialistischen Idealen und Werten, Gleichheit in der Bevölkerung und den bestehenden sozialen, kulturellen und medizinischen Versorgungsleistungen. Vielleicht eine Art Marktsozialismus.
Es ist schwierig sich auszumalen, was passieren wird. Ich schätze das wird wohl nur die Zeit zeigen.
Joey










